Folge 3: Geld

In den letzten beiden Folgen haben wir viel über Geld gesprochen. Wie hoch sind die Löhne oder wie viel Geld sollte mit dem Grundeinkommen ausgezahlt werden? Nun wird es Zeit, genauer über Geld zu reden.

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  • In der Wikipedia gibt es jeweils einen guten Artikel über die Funktion und zur Geschichte des Geldes.
  • Frank und Fefe haben sich in Folge 16 des Alternativlos-Podcasts ebenfalls mit Geld beschäftigt.
  • Johannes Schmidt: Sparen – Fluch oder Segen? Anmerkungen zu einem alten Problem aus Sicht der Saldenmechanik, in: “Lehren aus der Krise der Makroökonomik”
  • Eine gute Erklärung (+Rechner), wie man die Wirkung der Inflation auf die Kaufkraft von Geld ausrechnet, findet sich hier.

7 Gedanken zu „Folge 3: Geld“

  1. Hey Leute. 😀

    # Geschichte des Geldes.
    Ihr habt da einen Zwischenschritt vergessen. Einen, der ziemlich wesentlich ist, weil man sonst nicht auf die Idee des Geldes gekommen wäre. Und zwar das Warengeld. Man ist nicht vom direkten Warentausch auf Münzgeld umgestiegen für den Tausch, sondern hat vorher erst andere Waren als Geld benutzt. Also ich meine jetzt nicht Muscheln, oder Steine, sondern richtige Waren. Zum Beispiel Getreide. Getreide wurde als Geld genutzt früher. Weil es einmal relativ lange haltbar war und überall akzeptiert wurde. Wie mein Prof. zu zitieren pflegt: „Geld wurde akzeptiert, weil es Wert hatte.“ – Heute „hat Geld wert, weil es akzeptiert wird.“

    # Geldfunktion.
    Tauschmittel, Recheneinheit (Bewertung) und Wertaufbewahrung. Wertaufbewahrung ist die dritte Funktion, weil sich herausgestellt hat, dass diese Funktion fast keine Bedeutung trägt. Vor allem nicht in Zeiten von Null-Zinsen, wo die Inflation die Wertaufbewahrung auffrisst. Früher war das vielleicht mal relevant, wo Leute ihre Schätze in Kammern gesteckt haben um es aufzubewahren, aber diese Funktion ist heute obsolet geworden. Letztendlich ist „sparen“ außerdem nur eine Verschiebung von Nachfrage in die Zukunft. 😉

    Geld kann auch in einer geschlossenen Volkswirtschaft angehäuft werden. Schon allein das Zinssystem ist DIE Methode um genau das zu erreichen. „Geld anhäufen“ ist eine verteilungstheoretische Frage, dem widersprechen weder Volkswirtschaft noch Betriebswirtschaft.

    # Deflation.
    Warum ist Deflation so schlecht? Inflation ist eine Preissteigerung, Deflation ist eine Preisreduzierung, darauf sollten sich doch alle freuen. Zu einfach gedacht. Inflation bewirkt, dass das Geld morgen weniger „wert“ ist als heute, bzw. eigentlich richtig: Für Waren muss morgen mehr Geld ausgegeben werden als heute. Der Käufer ist also dazu angehalten sein Geld lieber früher als später auszugeben (von Zinsen mal abgesehen). In der Deflation sieht es aber so aus, dass für Produkte morgen weniger Geld ausgegeben werden muss, um sie zu erhalten. Potentielle Käufer sind dann also angehalten ihren Konsum möglichst spät auszuführen, weil sie dann umso weniger Geld ausgeben müssen. Wenn das alle machen, führt das bis auf bestimmte Grenzen (Mindestmaß an Nahrung zum Beispiel) zu einem Komplett-Verzicht auf Waren, weshalb die Unternehmen keine Umsätze mehr generieren, pleitegehen und Arbeiter entlassen, die daraufhin auch gar kein Einkommen mehr erzielen, um es überhaupt später ausgeben zu können. Die komplette Wirtschaft bricht also zusammen. Deflation ist also nur dann gut, wenn es durch eine seltene und unvorhersehbare Situation erzeugt wurde. Jeder Versuch das steuern zu wollen, geht ergo schief. Deshalb sollte sich die Politik an einem gemäßigten Maß von Inflation orientieren, sodass die Menschen nicht enteignet werden und trotzdem die Wirtschaft laufen kann. Habt ihr im Prinzip auch so gesagt, war vielleicht nur nicht so deutlich. ^^

    # Riester-Rente.
    Da habt ihr jetzt ausgerechnet das schlechteste Beispiel gewählt überhaupt, dass es irgendwo gibt. 😀
    Riester lohnt sich auch bei 10% Zinsen nicht, es lohnt sich gar nicht, es ist reiner Betrug. 😀

    Grüße ^^

    1. Danke für den kompakten Kommentar:)
      #Riester-Rente zur Alterssicherung werden wir noch später Folgen machen. Meine Masterarbeit ging um die Berichterstattung über die Riester-Rentenreform. Da muss ich noch viel aufarbeiten;)
      Einen “positiven” Anwendungsfall gibt es, glaube ich. Wenn man arbeitslos wird, nimmt das Hartz-Amt einem sonst ja alles Geld ab. Der Versicherungsvertreter raubt “nur” ca. 60% (sogar weniger, weil die späteren Einzahlungen nicht ganz so massiv an Wert verlieren). Wenn man also trotz Arbeitslosigkeit und Rentenkürzung später mehr als die Grundsicherung bekommt, könnte es sich also “lohnen”;)
      #Deflation
      Das hatten wir glaube ich so ziemlich alles drin. Den Rest haben wir dann auf jeden Fall auch gesagt, bloß dann in der Probeaufnahme;)

      #Geldfunktion
      Ich habe noch grob in Erinnerung ein Interview gelesen zu haben, in dem irgendein Experte meinte, dass Zinsen auf Bankkonto abzüglich Inflation fast immer null oder sogar negativ waren. Ohne gefährliche Spekulation hätte sich somit für die Sparen nicht viel geändert.
      Geld kann man anhäufen. Wenn es keine guten Schuldner gibt, ist sparen aber nur Konsumverzicht. (Also aus VWL-Persepektive) Die reichen Sparer werden den Leuten später schon einreden, dass sie für ihr gespartes Geld auch was kaufen können, obwohl sie die Gelegenheit dafür haben verstreichen lassen.
      # Die Geschichte hätte länger sein können, aber so hätten wir unseren Zeitrekord nicht geschafft. Für die späteren Sendungen wird es dann hoffentlich auch so reichen.

      1. Hehe, ja.

        # Zeitnot.
        Weil du es grad ansprichst. Versucht vielleicht nicht so sehr auf die Zeit zu achten, heute läuft sowieso schon alles viel zu hektisch ab. 😉 Nehmt euch für die Erläuterungen die Zeit, die man dafür braucht, schweift aber auch nicht unnötig ab. Moderat eben. 😀

        # Riester-Rente.
        Auch diese Darstellung ist noch verkürzt. Ein wesentlicher Aspekt bei der Riester-Rente stellen nämlich auch die Kinder dar. War es nicht so, dass man unter 2 Kindern so einen Vertrag gar nicht erst abschließen brauchte? Dann wird’s schon problematisch, dass man überhaupt jemanden findet, für den es sich lohnen würde. Besonders, wenn man in Betracht zieht, dass Besserverdiener eher weniger Kinder haben als mehr. Die armen Leute können es sich also nicht leisten, obwohl es sich für sie lohnen “könnte” (wenn sie viele Kinder haben), und die reichen/wohlhabenden Leute brauchen es sich nicht leisten, sie können sich ihre Polster auch so aufbauen. Zumal, wie du ja auch schon festgestellt hast, die Riester-Rente auf GruSi ohnehin angerechnet wird. Im Endeffekt treibt man da also wieder, nur so am Rande, einen Keil zwischen den Klassen der Gesellschaft. 😉

      2. Ich muss kurz lachen, das ist der Zyniker in mir. Während der Arbeitslosigkeit wird mittlerweile kein Geld mehr in die Arbeitslosigkeit eingezahlt, weshalb die Rentenansprüche – abgesehen von der generellen Senkung der Anteile am ehemaligen Arbeitseinkommen – immer weiter sinken, weil die Rentenpunkte stagnieren. Es mag vereinzelt Arbeiter geben, die mit Mitte-Ende 50 gekündigt werden, bis dahin sehr gut verdient haben und vielleicht sogar das Glück haben nach wenigen Jahren nochmal eingestellt zu werden. Für alle anderen Normalarbeiter dürfte das nach meiner Einschätzung zu einem Fall unter die Grundsicherung im Alter führen, auf die die Riesterrente angerechnet wird. Und es sind genau diese Menschen, die in der aktuellen Politik aufgemuntert werden, diese Verträge abzuschließen. Zugespitzt eine neue Form der public-private-partnership.
        Wir stehen vor dem gesellschaftlichen Problem, dass eine Person über 40 kaum noch eingestellt wird, und wenn dann – wie mein Vater – in Lohndumpingberufen wie Taxifahrer. Gut bezahlte und ausgebildete Menschen sehen ihre Rentenerwartungen mit jedem Bescheid massiv sinken; Bei denen die keinen Job mehr finden noch um einiges massiver. Gleichzeitig basiert die Rentenformel weiterhin auf der Annahme des Normalarbeiterverhältnisses der 60er-70er Jahre und bewertet die letzten Jahre vor Renteneintritt besonders stark, was denen die mit 40-50-60 Jahren in den Niedriglohnsektor eintreten (müssen) gleich doppelt das Genick bricht. In diesem Aspekt habe ich jeden noch so gut gemeinten Optimismus mittlerweile abgelegt, das aktuelle System ist kaputt und muss grundlegend überholt werden – eure letzte Folge wäre da ein guter Ansatzpunkt. 😉

    2. Um das mit Riester kurz auszuführen: Eure Rechnung zeigt, dass die angestrebte Wunschinflation von 2% über 50 Jahre bereits über 60% des Geldwerts auffrisst, wenn nicht unfassbar clever angelegt wird. Das bedeutet, dass man nurnoch etwas über ein Drittel des Geldes über hat, BEVOR auch nur ein einziger Versicherungsmakler seine Anteile erhalten, die Ausgaben für die nötige Bürokratie aufgewandt und die Putzfrau des Hochhauses bezahlt wurden. Danach landet man bei den optimistischen 10% von Antonio, die unter den besten anzunehmenden Bedingungen erwarten kann, also dass 50 Jahre lang alles bleibt wie es jetzt ist; Und ausklammert, dass Riesterverträge beispielsweise auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werden und für Niedriglöhner aktuell ein Nullsummenspiel bedeuten, über das sich das Finanzministerium sehr freut.
      Ich möchte hier anmerken, dass ich zur Gruppe der Spontankommentatoren gehöre, also wenn mich was stört erstmal auf Pause drücke, meinen Missmut äussere und dann weiterhöre, weil ich sonst der Folge nicht mehr folgen kann und es in meinem Kopf im Hintergrund permanent meckert, dass ich da irgendwo irgendwas falsch finde – Also schonmal im Vorhinein sorry, falls ihr Aspekte davon noch aufgreift.

      Abgesehen davon: Der politische Wille, generell immer auf Inflation hinzuarbeiten, die einem Wert um 2 % entspricht, ist für mich wünschenswert, da Märkte immer Volatil sind und es unverantwortlich wäre, auf einen Wert von 0 zu setzen, weil es dann schnell zu Deflation kommen könnte – die Problematik hat Antonio gut beschrieben. Das muss allerdings auch bedeuten, dass starke Gewerkschaften und eine jährliche angemessene Anhebung des Mindestlohns immer mitgedacht werden müssen, damit sich der gemeine Arbeiter diese Preissteigerung auch leisten kann ohne Angst haben zu müssen, in wenigen Jahren noch eingeschränkter zu sein als er es im Niedriglohnbereich eh schon ist. Mal ganz abgesehen von der Berechnung und regelmäßigen Angleichung der ALG2 Sätze.

  2. Irgendwie klappt das mit dem auf-Kommentare-reagieren grad nicht richtig, jedenfalls in meinem Browser. Daher: Kommentar 1 bezog sich auf Antonios ersten Kommentar, Kommentar 2 auf den von Felix dazu. Und dieser bildet sein eigenes Universum.

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