Folge 5: Handel, Wechselkurse und die Eurokrise

Diese Folge geht es um Handel, Wechselkurse und die Eurokrise. Wir vertreten dabei die These, dass Deutschland durch politisch gewollte Lohnzurückhaltung Arbeitslosigkeit zu unseren Partnern in der Währungsunion exportiert.

Diese Woche gibt es leider kein Bild, aber dafür bekommt ihr einen Link auf ein Diagramm. Das zeigt sehr anschaulich, wie sich die jährlichen deutschen Handelsbilanzüberschüsse von 11 Milliarden Euro (1991) auf 244 Milliarden Euro 2015 gesteigert haben. (Im Podcast habe ich leider mit 280 Milliarden Euro eine falsche Zahl genannt.)

“Die Kritik am deutschen Wirtschaftsmodell ist also nicht neu. Doch noch nie wurde sie derart massiv vorgetragen wie in diesen Tagen. Der amerikanische Finanzminister, der italienische Premierminister, der französische Präsident, der Chef der EU-Kommission, die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds – sie alle werfen der größten Volkswirtschaft in Europa vor, dass sie immer mehr exportiert und immer weniger importiert. Mit ihren Exportüberschüssen mache die Bundesrepublik den übrigen Europäern das Leben schwer – ja, so lautet vor allem der Tadel der Amerikaner und des IWF: Deutschland gefährde damit die Stabilität der Weltwirtschaft.”

„alle würdigen am Euro, daß sich die Exportchancen Deutschlands erhöhen würden. Wenn das dann so ist, dann müssen doch andere Produktionsunternehmen in anderen Ländern darunter leiden. Anders ginge es doch gar nicht. Das heißt, wir wollen den Export Deutschlands erhöhen und damit die Industrie in Portugal, Spanien und anderen Ländern schwächen. Die werden verostdeutscht, weil sie diesem Export nicht standhalten können.[…] Wollen Sie ein Europa, in dem 10 Prozent der Bevölkerung sinnlos immer reicher werden und andere immer mehr draufzahlen müssen?[…] Wer europäische Integration will, muß europäische Angleichungsprozesse einleiten. Dazu würde gehören, die Steuern zu harmonisieren, die Löhne und Preise anzugleichen und auch soziale, ökologische und juristische Standards anzugleichen. […] Wenn Sie das alles politisch nicht leisten und statt dessen sagen, wir führen eine Einheitswährung ein, um die Angleichungsprozesse zu erzwingen, dann sagen Sie damit doch nichts anderes, als daß Sie ganz bewußt Lohnwettbewerb, also in Wirklichkeit Lohndumping und Kostendumping, organisieren wollen. Den größten Vorteil hat immer derjenige mit den niedrigsten Steuern, den niedrigsten Löhnen, den niedrigsten Preisen und den niedrigsten ökologischen, juristischen und sozialen Standards; dieser wird sich durchsetzen. Das führt zu einem Europa des Dumpings, des Abbaus nach unten. Wer so etwas organisiert, der – das behaupte ich -organisiert nicht nur Sozial- und Lohnabbau, sondern er organisiert auch zunehmenden Rassismus. Das mag nicht bewußt geschehen, aber es wird die Folge sein.“

“Das bedeutet ja, dass im Grunde genommen, dass das was wir seit Jahren machen und worauf wir stolz sind ein völliger Irrweg ist.“ (min 37:43)

Ein Gedanke zu „Folge 5: Handel, Wechselkurse und die Eurokrise“

  1. Hey ihr zwei, 😀

    # komparativer Kostenvorteil.
    Auf die Nachteile seid ihr leider nicht eingegangen, die da zum Beispiel sind, dass die Partner im schlimmsten Fall eine Produktivitätskompetenz komplett aufgeben. Und dass große Anbieter die kleinen Anbieter vertreiben. Das heißt kurzfristig kann es tatsächlich zum Wachstum kommen, auch langfristig sogar, aber es wird dann tendenziell trotzdem mit einer Wohlstands-Schlechtverteilung einhergehen, was so nicht gewollt sein kann.

    Ansonsten eine sehr gute Folge! 🙂

    Als Nachtrag zur letzten Episode, habe beim Aufwachen-Podcast nochmal ausführlicher über die EZB-Niedrigzinspolitik und auch über die diesmaligen Inhalte geschrieben:
    https://aufwachen-podcast.de/kommentare/index.php?thread/52-ezb-niedrigzinspolitik/

    Grüße ^^

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